Alter Garten
Die von hohen Mauern umgebenen Gartenteile
in der Nähe des Schlosses werden als "Alter
Garten" bezeichnet. Während der Errichtung
des ersten Barockschlosses von Johann Christoph Schütze
in den 1730er Jahren erhielt dieser Gartenteil
seine heutigen Umrisse. Die Mauer im Norden entstand
1735 als die restliche Ummauerung offensichtlich
schon vorhanden war.4 Der Garten
im Norden und im Süden bestand nach Siebeck2 und de Furtenbach3
nur aus einfachen Rasenstücken eventuell
mit Buchsbaumbroderie. Solche sogenannten englischen
Luststücke wurden ab 1750 auch in unmittelbarer
Nachbarschaft des Wohnbaus immer beliebter.
Ebenfalls
zeittypisch war die enge Verbindung
von Nutz- und Ziergarten, weswegen im nördlichen
Teil ein Gemüse- und Kräutergarten
vermutet werden darf. Er wird 1735 als "Baum
Garthen" bezeichnet.4 1747 fordert der Amtmann
Niemann Holz für ein "Espalier zwischen
Ananas- und Lusthaus" an.5 Diese Form
des Obstanbaus hatte gleich mehrere Vorteile. Die
Mauern wurden begrünt und vor dem Wetter geschützt.
Außerdem war mit einem besseren Ertrag
zu rechnen, da das Mauerwerk als Wärmespeicher
für die Pflanzen diente.
Außerhalb des Gartens wurden
Kopfweiden angepflanzt. Beim Winterhochwasser
bilden sie ein nachwachsendes Schutzschild
der Gartenmauer vor Eisschollen. Außerdem
wurden aus ihren Zweigen natürlich Korbwaren
aller Art hergestellt.
Westlich
des Schlosses wurde der Niveauunterschied zum
See durch die damals beliebten Terrassen
überbrückt. Die Arbeitsschritte zur Herstellung
solcher Anlagen hatte Dezallier
d'Argenville 1709 in seinem
Buch "La théorie et la practique du
jardinage ..."6 beschrieben.
Terrassen und Treppen wurden wohl in den 1730er Jahren
im Zuge des ersten barocken Schlossbaus angelegt
aber 1803 ausgebessert und verändert.7
Die Eisgrube wurde vom
Hofmaurermeister Carl Wilhelm Christ 1754
nach seiner erhaltenen Entwurfszeichnung8
errichtet. Ihr gegenüber entstand ein Lusthaus
gleichen Aussehens, dessen Unterbau noch vorhanden
ist (vgl. Abb. 1).
Ananashaus und Orangenhaus
Schon im 16. Jh. entstanden Sammlungen
exotischer Pflanzen nördlich
der Alpen.9 Im 17. Jh. war die Repräsentation
von Gewächsen aus südlichen Gegenden
zur Pflicht für jeden Potentaten
geworden. Neben den beliebten Orangenbäumen
wuchsen beispielsweise auch Feigen, Datteln, Lorbeer,
Zypressen und Agaven. In Gottorf, dem Geburtsort
unserer Bauherrin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst
(1712-1760), und später in Zerbst blühten Aloen,
was einem Wunder glich. Der Anblick der Blüte
sollte Glück bringen, vor allem war sie ein Prestigegewinn
für den glücklichen Besitzer. Somit waren
die erheblichen Anschaffungs- und Unterhaltskosten für
alle wärmeliebenden Pflanzen durchaus gerechtfertigt.
Johann Christoph
Beckmann nennt in seiner 1710 erschienenen
"Historia des Fürstenthums Anhalt" erstmals
ein Orangeriegebäude in Dornburg. Danach
hat Johann Ludwig I. von Anhalt-Zerbst-Dornburg
(1656-1704) nach 1674 einen "angenehmen Garten
von Bäumen- auch Küchen- und Bluhm-Werck,
ingleichen von Außländischen Gewächsen
nebst einem Winter-Hause zu Bewahrung derselben
anlegen lassen."10 1739 bittet der Dornburger
Amtmann C. Mosdorph um Holz für das neue Trieb-
und Gartenhaus.11 Einen
weiteren Hinweis auf die Existenz eines Orangeriehauses
in Dornburg erhalten wir 1747. Der Wunsch des Hofgärtners
Unger, welcher in Zerbst ein Gewächshaus
für Ananas errichten möchte, wird von Johanna
Elisabeth abgelehnt, da in Dornburg genügend
Ananas reifen.12 Sicherlich wäre
dies ohne eine gute Überwinterungsmöglichkeit
unmöglich gewesen. Im gleichen Jahr fordert
der Amtmann Niemann aus Dornburg Holz für ein
Espalier zwischen Ananas- und Lusthaus.5
Wo finden wir dieses Ananashaus?13
Für das genannte Spalier kommen alle Mauern
in Nordrichtung nicht in Frage. Tatsächlich
ist auf Fotos aus den 1920er Jahren das Spalierobst an
der südlichen Stützmauer des Schlossberges
noch vorhanden und hier findet sich auch ein Gewächshaus
(Abb. 1), das aber erst nach 1872 errichtet wurde. Zu diesem
Zeitpunkt erwarb Justus Leopold Hühne Schloss und Gut, weshalb
eine detaillierte Aufstellung der Gebäude und mehrere Karten angefertigt
wurden,14 wobei die beschriebene Stelle noch unbebaut
ist.
Hier finden sich Reste eines Gebäudes
mit einer langen Front nach Süden.
Die etwa 1,50 m hohen Fundamente bestehen aus den
gleichen Steinen wie das sonst vorhandene Mauerwerk
des 18. Jahrhunderts. Die Südmauern haben einen
geraden horizontalen Abschluss kurz über dem
aufgeschütteten Fußboden, so dass ab
hier eine Holzkonstruktion mit großen Fenstern
vermutet werden kann. (Abb. 3)