Die
Dornburger Sonnenuhr besteht aus zwei identischen Kugeln,
welche die Pfeiler zum Portal des Wirtschaftshofes in mehr als zwei
Metern Höhe bekrönen. Dieser Abstand zum Betrachter und der
geringe Kugeldurchmesser von weniger als einen halben Meter machen eine
genaue Zeitablesung im heutigen Sinne unmöglich,
was unseren Vorfahren aber weniger notwendig erschien. Vielleicht
werden die Zeitmesser aus
diesem Grunde nirgends schriftlich erwähnt. So können
wir heute nur vermuten, dass die Uhren bereits unter der Regie des Zerbster
Hofbaumeisters Johann Christoph Schütze entstanden. Er selbst berichtet
1735 nur von einer "Mauer an dem neuen Thorweg, zwischen den Brau-Hause
und der Meyerey so vore jahre da die Garthen Mauer gemachet, sogleich
mit gemachet worden".7 Für Schützes Urheberschaft
sprechen auch die kugelförmigen Monphasenuhren am Turm des Zerbster
Schlosses und am Rathaus in Weißenfels, die beide auf seinen Planungen
beruhen.8
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Das
einzige für die Rekonstruktion der
Kugel-Postamente verwertbare Foto entstand um 1935. Die
Stengelgesellschaft Dornburg dankt Frau Ilse Dörner aus Magdeburg
für die Beschaffung dieser historischen Aufnahme.
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Historische Fotos zeigen, dass die Einfahrtpfosten mit den
Sonnenuhren ursprünglich enger beieinander standen. Heute ist
nicht mehr
nachvollziehbar warum dies in den 1950er Jahren geändert wurde.
Angeblich bestand Einsturzgefahr,
weshalb man sich entschloss, das Portal zu entfernen. Andere Zeitzeugen
behaupten, dass bereits ein Stützpfeiler zusammengebrochen war,
was
zu bezweifeln ist, weil in diesem Falle wohl die betroffene Kugel
größeren Schaden genommen hätte. Fest steht nur, dass
beide Uhren lange Zeit in
unmittelbarer Nähe des Kindergartenspielpaltzes lagerten,9
da sich noch viele ehemalige Knirpse gern an die abenteuerlichen Klettergeräte erinnern.
Dieser Zustand wurde erst 1987 behoben, weil der Dornburger Astronomielehrer
und Heimatforscher Hermann Hennig die Seltenheit der Kugelsonnenuhr kannte
und den Erhalt der Kleinode wiederholt eingefordert hatte. Er
schrieb selbst einen Artikel für die "Zerbster Volksstimme":
"Dornburger
Sonnenuhren zeigen jetzt die Zeit an
Kugelförmige Kleinode wieder auf
altem Platz
Nachdem im vergangenen Jahr die alten Wirtschaftsgebäude
der Genossenschaft an der Hauptstraße von den Handwerkern einen neuen
Anstrich erhielten, wurden auch die nach dem zweiten Weltkrieg abmontierten
zwei kugelförmigen Sonnenuhren auf die Torpfosten des LPG-Hofes
wieder aufgesetzt. Sie sagen den Dornburgern bei Sonnenschein
nun wie vordem, die Zeit an.
Die Sonnenuhren zeigen bei genauer Ausrichtung mit Hilfe
der Schattengrenze die wahre Ortszeit an. Da Dornburg ein wenig mehr als
3 Grad westlich des 15. Meridians liegt, der die mitteleuropäische
Zeit (MEZ) bestimmt, gehen die Dornburger Sonnenuhren gegenüber
dieser um 12 Minuten nach. Das ist auf die Drehung der Erde von West
nach Ost und auf die Tatsache zurückzuführen, daß
beim Umlauf von einem Meridian zum anderen vier Minuten vergehen
..."10.
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Der Eingang zum Wirtschaftshof mit den beiden Kugelsonnenuhren
auf den Pfeilern und der Lindenalle zum Schloss im Jahre 2007. |
Die 1987 geschaffene, eher provisorische, Lagerung der
historischen Kugeln wurde ihrer Einzigartigkeit nicht gerecht. Nur
Insider wussten, dass sich hier einen Sonnenuhr versteckt. Viele Touristen auf dem beliebten Elbe-Radweg fuhren achtlos vorbei. Deshalb
beschloss die Stengelgesellschaft Dornburg im Jahre 2007 den
Haupteingang zum Schloss, der im Zentrum des Dorfes steht, einladender
zu gestalten. Größtes Kopfzerbrechen bereiteten die verloren
gegangenen Postamente der Kugeln bis der Vereinsvorsitzende Egbert
Platte nach langem Suchen ein historisches Foto fand (siehe oben).
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Am 6. Juli 2011 konnten die
restaurierten Kugeln auf die neuen Postamente montiert werden. Vorher
waren bereits die Pfosten erhöht und neu verputzt worden. Das
Gesamtprojekt kostete rund 10 000 Euro. |
Die Stengelgesellschaft Dornburg dankt den vielen Schlossbesuchern der
vergangenen Jahre für ihre Spenden und der Lotto
Sachsen-Anhalt GmbH für einen Zuschuss von 1500 Euro,
außerdem der Firma Paul Schuster in Magdeburg für die
Ausführung und Herrn Axel Thiem von der Unteren
Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Jerichower Land für die
Beratung. Die von der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege beim
Landesamt für Denkmalpfleg und Archäologie favorisierte
Rekonstruktion der alten Eingangssituation (siehe historisches Foto
oben) war nicht möglich, da die modernen landwirtschaftlichen
Fahrzeuge dann nicht mehr auf den Wirtschaftshof hätten fahren
können.
Anmerkungen und Quellen
- LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio
7 Vorderseite
- LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio
9 Vorderseite
- LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio
10 Vorderseite
- LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio
17 Vorder- und Rückseite
- Ich danke Herrn Arnold Zenkert
für den freundlichen Hinweis.
- Ludwig XIV., König von Frankreich
(1683-1715), genannt "le Roi Soleil"
- Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt,
Abteilung Dessau (LHASA, DE), Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio 14 Vorderseite
bis Folio 16 Vorderseite
- Dirk Herrmann: Schloß Zerbst
in Anhalt, Geschichte und Beschreibung einer vernichteten Residenz, Verlag
Schnell und Steiner GmbH – Regensburg, 2005, S. 47ff
- Noch bis in die 1990er
Jahre hinein diente das jetzige Dorfgemeinschaftshaus im Südosten
des Schlosshofs als Kindergarten.
- Hermann Hennig: Dornburger
Sonnenunhren zeigen jetzt die Zeit an. In: "Zerbster Volksstimme" vom
02.01.1987